Kurze Information zur Republik Ghana (früher Goldküste) und Accra
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Ghanas Küste - Strand und Palmen
Republik Ghana (früher Goldküste)
Ghana liegt im tropischen Westafrika, zwischen 5° und 11° nördlicher Breite sowie 3° westlicher und 1° östlicher Länge am Golf von Guinea. Es grenzt im Westen an die Elfenbeinküste, im Norden an Burkina Faso und im Osten an Togo. Die südliche Grenze bildet eine 537 km lange Atlantikküste.
Der Küstenstreifen bietet mit tropischem Dschungel, Bananen- und Kakaoplantagen und breiten Sandstränden ein typisch afrikanisches Bild. Nördlich daran grenzt die Savanne, allerdings bei weitem nicht so tierreich wie in Ostafrika, noch weiter nördlich herrscht Halbwüste mit überwiegend moslemischer und von nord-afrikanischen Einflüssen geprägter Bevölkerung.
Wie viele Staaten in Afrika ist auch Ghana eine europäische Kreation des späten 19. Jahrhunderts. Das heutige Ghana nahm erst gegen 1873 als britische Kolonie Gold Coast (Goldküste) seine jetzigen Formen an. 1902 wurden Nord- und Zentralghana annektiert, das Gebiet östlich des Volta-Flusses - zuvor ein Teil von Deutsch-Togoland (1884-1914) - wurde 1919 britisches Mandatsgebiet. Ghana wurde am 6. März.1957 unter dem Freiheitskämpfer und Panafrikanisten Kwame Nkrumah als erste Kolonie Afrikas in die Unabhängigkeit entlassen.
Die ca. 20 Mio. Einwohner gehören über 50 Ethnien mit zum Teil eigenen und nicht-verwandten Sprachen an, hauptsächlich Akan (Ashanti), Ewe und Ga. Amtssprache ist englisch. Twi ist Hauptsprache der Akan, Muttersprache der Hälfte der Bevölkerung und auch als Zweitsprache weit verbreitet.
Die Ashanti sind eines der wenigen afrikanischen Völker, die auch über Afrika hinaus bekannt sind. Das Ashanti Königreich leistete, wenn auch letztendlich erfolglos, hartnäckig Widerstand gegen die Kolonialisierung durch die Briten. Das Königreich der Ashanti, Gold-, Lebensmittel- und später Sklavenhändler, entstand im späten 17. Jhd. in der Gegend von Kumasi (die Ursprünge liegen wahrscheinlich im heutigen Mali) und reichte in seiner Blütezeit zum Anfang des 19. Jhd. bis über die Grenzen des heutigen Ghana hinaus.
Ca. 60% der Bevölkerung sind Christen, ca. 25%, vor allem im Norden, Muslime. Religion und Kirche spielen eine große Rolle im gesellschaftlichen Leben. Alle Richtungen und Sekten sind vertreten, Religionskonflikte gibt es jedoch nicht. Der katholische Glaube wurde im späten 15. Jahrhundert von portugiesischen Missionaren verbreitet, dann ab der Mitte des 19. Jhd vor allem der presbyterianische Glaube von deutschen und schweizer Missionaren der Basler Mission. Der Islam hingegen erreichte Nordghana wohl schon im 8. Jahrhundert.
Die ersten Portugiesen kamen 1471 nach Elmina (bei Cape Coast) und errichteten ein Fort (Elmina Castle). Sie handelten vor allem mit Gold (aus dem Ashanti Königreich), Elfenbein, Baumwolle, Häuten und Salz. In der Mitte des 16. Jhd. folgten Briten und Franzosen, zum Ende des 16. Jhd, eher durch Zufall, Holländer, die jedoch bald ihren Handelskrieg mit den Portugiesen in Ghana austrugen. Später kamen noch Dänen, sowie eine kleine aus Brandenburg stammende deutsche Handelsgruppe dazu. Während der nächsten Jahrhunderte blieb Ghana ein Zentrum europäischer Handelsaktivitäten.
Im Sklavenhandel diente Ghana zunächst paradoxerweise als Umschlagplatz von in den Nachbarregionen gefangenen Sklaven. Um den Goldhandel nicht zu gefährden, blieb Ghana im 16. und 17. Jhd. vom Sklavenhandel weitestgehend verschont. Briten, und im geringen Maße Dänen, begannen erst 1665 mit dem Sklavenhandel. Dies fiel zusammen mit dem Aufstieg des Ashanti Königreiches, das mehr am einträglichen Handel von Sklaven gegen Waffen als am Goldschürfen interessiert war. Die Forts an der Küste wurden zum Umschlagplatz und insbesondere von Elmina Castle wurden Zehntausende nach Amerika und in die Karibik verschifft. Museen in den Forts von Elmina und Cape Coast erinnern an die Grauen dieser Zeit.
Nach der Entlassung in die Unabhängigkeit erlebte Ghana eine turbulente Zeit mit zahlreichen Putschen unter verschiedenen Präsidenten verschiedener politischer Richtungen, u.a. Jerry Rawlings, der das Land 1992 schließlich in die Demokratie führte. Seitdem verzeichnet Ghana eine schrittweise Öffnung des demokratischen Rechtsstaats und ein stetiges Wirtschaftswachstum. Im Jahr 2001 übernahm John Kufuor aus der Oppositionspartei NPP das Präsidentenamt im ersten demokratischen Machtwechsel des Landes. Seit Januar 2009 regiert wieder die von Jerry Rawlings gegründete NDC mit Präsident John Atta Mills. Auch wenn die Demokratie nach 18 Jahren und zwei Machtwechseln als konsolidiert gilt, kämpft das Land noch immer mit hoher Armut, Unterentwicklung insbesondere im Norden des Landes und Korruption.
Accra
Accra wurde wahrscheinlich im 15. Jahrhundert vom Küstenvolk der Ga, die mit den vorbeifahrenden Portugiesen Handel trieben, am Meerufer gegründet.
1877, zu einem Zeitpunkt als andere wichtige afrikanische Städte wie Nairobi, Johannesburg oder Addis Abeba noch Buschland waren, wurde Accra Hauptstadt der britischen Gold Coast Kolonie.
Heute ist Accra, als eine der wichtigsten Metropolen Westafrikas, weit ausgedehnt, sehr dicht besiedelt und fasziniert ihre Besucher mit dem regen Treiben auf den Straßen, Märkten, in den Bars und Imbissbuden und dem bunten Bild der knapp 3 Mio. Menschen aller Ethnien aus allen Teilen des Landes, die ihre Lasten auf dem Kopf und ihre Babies auf dem Rücken gebunden tragen.
Accra ähnelt mehr einer Ansammlung von sich stetig ausdehnenden und ineinander übergreifenden Dörfern ohne einem tatsächlichen Zentrum oder kommerziellen Vierteln, durchzogen von grünen Wohngebieten, kleinen Feldern, Gärten und Alleen mit altem Baumbestand. Die Stadt hat sich trotz des regen Außenhandels, der kolonialen wie politischen Vergangenheit und der internationalen Besucher ihren typischen afrikanischen Charakter bewahrt. Auch das eigentliche Stadtzentrum hat sich ein beinahe dörfliches Flair mit vielen kleinen Märkten und mobilen Verkäufern erhalten. In den vielen Bauten der Gründerzeit ist immer noch unschwer der koloniale Einschlag zu erkennen. Allerdings verfallen viele dieser Gebäude zunehmend. Dazwischen stehen aber auch kleine wellblechbedeckte Hütten und Unterstände und überall lauern offene Abwassergräben. Die Armut ist unübersehbar, durch Polio behinderte Bettler, Blinde und Scheibenwäscher-Kinder halten an den Ampeln die Hand auf. Wenige Städte vergleichbarer Größe bieten in Afrika jedoch eine ähnliche, erstaunlich sichere und entspannte Atmosphäre - die größte Gefahr geht vom Verkehr, den völlig überladenen Lastwagen mit ihren verzogenen Achsen, liegen gebliebenen Fahrzeugen und wild hupenden Taxis und Trotros (Minibusse) auf der Suche nach Fahrgästen, aus.
Sehenswürdigkeiten gibt es nur wenige, das Nationalmuseum, Independence Square, Kwame Nkrumah Mausoleum, die drei Forts (Fort Ussher, holländisch, Fort James, britisch, Osu Castle, dänisch), die allerdings nicht zugänglich sind (Osu Castle ist der Regierungssitz, in den beiden anderen sind Gefängnisse untergebracht), der Leuchtturm in der Nähe von Fort James, vor allem jedoch die diversen Märkte und Kunstmärkte.
Leider befinden sich die Badestrände wegen der Wasserverschmutzung in Stadtnähe alle außerhalb der Stadt und sind nur nach längerer Fahrtzeit zu erreichen.
The Castle (eigentlich Osu Castle)
auch bekannt als Christiansbourg Castle, ist seit 1876 Sitz der Regierung. Dieses Fort ist heute eines der drei bedeutendsten und mit Sicherheit das Fort mit der abwechslungsreichsten Geschichte an der ghanaischen Küste. Das ursprüngliche Gebäude wurde 1661 von Dänen auf einem vom Chief von Accra gekauften Grundstück errichtet. Es war wesentlich kleiner als das heutige. Nachdem der dänische Kommandeur 1679 einer Meuterei zum Opfer gefallen war, fiel das Fort unter portugiesische Herrschaft - nur um vier Jahre später wieder dänisch zu werden. Dann nahm 1693 der Chief von Akwama das Fort ein - und verkaufte es ein Jahr später wieder an Dänemark (allerdings ohne die Schlüssel zu übergeben, die bis heute im Besitz des Chiefs von Akwama sind). Während der nächsten 150 Jahre blieb das Fort dann Hauptsitz der Dänen an der Goldküste und wurde in dieser Zeit umfassend erweitert - bis es schließlich 1850, zusammen mit vier anderen dänischen Forts, an die Briten verkauft wurde.
Das wichtigste Ereignis der jüngeren Geschichte bleibt aber unbestritten eine von zurückgekehrten Veteranen des 2. Weltkrieges angeführte anti-koloniale Demonstration vor dem Fort am 28. Februar 1948. Die Kolonialpolizei schoss auf die Demonstranten, tötete drei und verletzte weitere 237 Menschen. Dieser Vorfall entfaltete Wirkung über Ghana hinaus und trug womöglich zur allmählichen Entlassung aller britischen Kolonien in die Unabhängigkeit im Verlauf der nächsten 15 Jahre bei.
Als Regierungssitz ist es für Besucher nicht zugänglich, den besten Blick hat man vom Independence Square. Absolutes Photographierverbot.
State House
Das State House gehört zu einer Ansammlung von funktionalen Regierungsgebäuden in unmittelbarer Nähe des Parlamentes und wird für Bankette auf Einladung des Präsidenten genutzt, da das Castle dafür nicht ausreichend Platz bietet. Architektonische oder geschichtliche Besonderheiten sind nicht zu verzeichnen. Gegenüber liegt der moderne Zweckbau des International Conference Centers in dem ebenfalls zahlreiche öffentliche Veranstaltungen stattfinden.
Kofi Annan International Peacekeeping and Training Centre (KAIPTC)
Das KAIPTC ist eine regionale Akademie zur Ausbildung von afrikanischen Teilnehmern an Friedensmissionen vor allem in Westafrika sowie Forschung und Lehre, um afrikanischen Staaten die Möglichkeit zu geben, ihren Beitrag zur internationalen Friedenssicherung zu leisten.
Die Bundesregierung entschied im Dezember 2001, das geplante KAIPTC zu fördern. Der deutsche Beitrag zur Errichtung des KAIPTC beläuft sich bisher auf rund 3 Mio. Euro. Zur Förderung gehört auch die Entsendung von Bundeswehrangehörigen in den internationalen Stab des Zentrums. Die entsprechenden Verträge wurden im Februar 2002 unterzeichnet. Der Grundstein konnte im Dezember 2002 gelegt werden.
Der deutsche Beitrag wurde hauptsächlich für die Errichtung des Schulungsgebäudes und für die IT-Ausstattung verwendet. Andere Geber (Kanada, UK, USA, NL u.a.) trugen zu den Kosten des Unterrichts oder der Erstellung von Lehrmaterial bei oder entsendeten Berater. Sie haben weitere Gebäude (Offiziersmesse, Unterkünfte etc.) finanziert.
Die ersten Kurse begannen bereits im September 2003 und konnten erfolgreich abgeschlossen werden. Am KAIPTC werden Kurse, Seminare und Workshop für zivile und militärische Führungskräfte hinsichtlich der unterschiedlichsten politischen, militärischen, legalen und humanitären Aspekte von Friedensmissionen durchgeführt.
Die Einweihung des mit deutscher Hilfe errichteten Gebäudes erfolgte während des Besuchs von Bundeskanzler Schröder in Ghana am 24.01.2004.
Kumasi
Kumasi ist nach der Hauptstadt Accra die wichtigste Stadt in Ghana und kulturell eine der interessantesten Städte vorkolonialen Ursprungs in Afrika. Die historische Hauptstadt des Ashanti-Volkes hat sich zu einem der bedeutendsten Zentren Ghanas entwickelt. Die Stadt, südlich zentral gelegen, ist von verschiedenen Dschungelgebieten umgeben und wird auf Grund ihrer vielfältigen Pflanzenwelt gerne als „Garten- Stadt“ bezeichnet. Handel (Gold, Kakao und Holz), Landwirtschaft und Bergbau sind die führenden Wirtschaftszweige der Ashanti- Hauptstadt, außerdem befindet sich hier der größte Markt Westafrikas. Die Stadt besitzt eine renommierte Universität für Wissenschaft und Technologie. Kumasi ist eine typische afrikanische Großstadt, an wichtigen Verkehrswegen gelegen, nahe den Kakaoanbaugebieten mit hohem Bevölkerungszuzug und mittlerweile über 1,5 Millionen Einwohnern, davon 80% Christen und 20% Muslime.
Kumasi ist nicht nur die zweitgrößte Stadt des Landes, sondern auch das kulturelle Herz Ghanas. Vor allem die Bevölkerungsgruppe der aristokratischen Ashanti sieht in der Stadt ihren Mittelpunkt. Viele Stammesfeste und die größeren Häuptlingstreffen (Durbars), zu denen alle Häuptlinge des Ashantireiches mit Gefolge erscheinen, werden hier abgehalten.
Zur Geschichte Kumasis:
Die Anfänge Kumasis reichen bis zum Ende des 16. Jahrhunderts zurück, als das Volk der Ashanti gemeinsam mit anderen Akangruppen aus den nördlich angrenzenden Savannen des Sudans sich in der Region ansiedelten. Im Jahre 1695 machte der Hohepriester Okomfo Anokye und Freund des damaligen Herrscher Nana Osei Tutu (1697- 1720) Kumasi zur Hauptstadt des Ashanti- Königreiches. Die Gründungslegende des Ashanti- Reiches besagt, dass Osei Tutu in Kumasi den „Goldenen Stuhl“, das Symbol der Einheit und des Geistes der Ashanti direkt vom Himmel empfing. Der „Holy Stool“ existiert immer noch und ist für das Ashanti-Volk heilig. Der Herrscher Kumasis, auch „Kumasihene“ genannt, ist zugleich auch der Herrscher des Ashanti- Reiches („Ashantehene“).
Ab dem 19. Jhd. verstärkte sich der Interessenkonflikt zwischen Briten und Ashanti, und es kam zu zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen.
1896 eroberten die Briten endgültig das Ashanti-Reich und zerstörten als Folge dessen Kumasi, die stolze Hauptstadt der Ashanti. Von den 30.000 Einwohnern überlebten lediglich 3000. Kumasi wurde zum Verwaltungszentrum für die britische Kolonialregierung. Nach dem ersten Weltkrieg erlebte die Stadt einen erneuten Aufschwung, der vor allem durch den regen Gold- Holz- und Kakaohandel zustande kam. 1935 wurde Kumasi wieder zum Sitz des Ashanteman Council.
Nachdem Ghana im Jahre 1957 unabhängig wurde, wurde Kumasi das Zentrum der ghanaischen Verwaltung für die Ashanti- Region.
Sehenswürdigkeiten in Kumasi
Der Königspalast
Die Ashanti-Könige waren die wohlhabendsten Herrscher Westafrikas, deshalb war ihr Palast eine der größten Sehenswürdigkeiten des Landes. Als die Stadt um die Jahrhundertwende in großen Teilen von den Briten zerstört wurde, wurde auch der damalige Königspalast niedergebrannt. Der um 1924 errichtete Ashantehene- Palast, der sogenannte Manhyia- Palace ist nun der offizielle Sitz des Ashantehene. Besucher sind oftmals erstaunt über den schlichten und wenig luxuriösen Bau.
Seit 1999 regiert der Ashanti- König Nana Osei Tutu II. in Kumasi. Der Palastkomplex besteht aus dem alten Palast, dem neuen Palast von 1970, dem Palast der Königinmutter, einem Sekretariat und einem Institut für Studien über die Kultur der Ashanti. Im Palast kann man die öffentlich zugänglichen Sitzungen des Kronrates besuchen.
Ghana National Cultural Centre
Das Kulturzentrum zählt zu den Hauptattraktionen der Stadt. Auf dem Gelände befindet sich das historische Prempeh II Jubilee Museum, das sich mit der Geschichte des Königreiches Ashanti und seinen Herrschern beschäftigt. Dort ist eine Fälschung des „Goldenen Stuhls“ ausgestellt. Dieser wurde angefertigt, um die Briten zu täuschen, da diese davon ausgingen, dass sie, im Besitz des Stuhls, uneingeschränkte Macht über das Ashanti- Königreich haben würden. Die Eroberer benötigten mehrere Jahrzehnte, um diese List der Ashanti zu durchschauen. Der echte „Goldene Stuhl“ befindet sich im Manhyia- Palast und wird nur zu besonderen Anlässen hervorgeholt.
Im Kulturzentrum kann man außerdem interessante Werkstätten besichtigen, die den Besuchern einen Eindruck der ghanaischen Kultur vermitteln. Dargestellt werden Kunstrichtungen wie Malerei, Webkunst, Töpferei, Gesang und Tanz. Zu sehen gibt es außerdem eine öffentliche Bibliothek, einen Souvenirshop und eine Ausstellungshalle.